Hochkönigman 2015 87km - 5600HM

Der Schmerz geht - der Stolz bleibt

Platz 27! 17 Stunden und 42 

Dunkel, allein, gemeinsam, Schmerzen, Ärger, Müdigkeit, unbeschreibliche Freude und Glück. Das war der Hochkönigman in ein paar Worten ausgedrückt!


Der Lauf hatte wirklich Alles.


Was soll man dazu schreiben?

Freitag morgen aufgestanden, Ausrüstung packen - check der Strecke - Routenänderung, zuviel Windbruch im Gelände..

Also GPS Track neu laden. Geht schon gut los.

Start Mittags - Superwetter, ich fahre über die Lofer Bundesstraße. Unfall vor mir, schaut übel aus. Helicoptereinsatz,Totalsperre, also Navi auf Alternativroute schalten. 90 min Umweg vor mir. Geht ja gut weiter.


Also komm ich dann in Maria Alman. Jetzt wird es besser. Parkplatz gleich neben dem Veranstaltungsgelände gefunden. Und das auf Anhieb - endlich mal was Gutes. Treffe gleich ein paar “alte Bekannte” aus der “Ultra Family”.


Abends dann Briefing und Nudelparty. Und warten auf den Start. Erst um 1 Uhr morgens geht es dann los. Ich lege mich noch ins Auto und döse noch so 2 Stunden vor mich hin. Um halb 12 mache ich mich langsam fertig. Check der letzten Dinge, Nervosität steigt. Ab 0:15 sitzen fast alle zusammen und warten. Letzte Gespräche vor dem Start. Alle sind irgendwie angespannt. Fast keiner kennt die Strecke! 10 Min vor dem Start formiert sich langsam alles. Einer bestellt noch 4 min. vor dem Start trotzdem einen Espresso im Gasthaus nebenan. Er hat recht. Einen Ultra sollte man entspannt angehen.

Los geht es um Punkt 1 Uhr morgens. Es wird steil. Fast eine Stunde Anstieg. Ein kleiner Vorgeschmack auf das was noch kommen soll. Geschenkt wird hier nichts. Die Strecke hat es in sich. Es heißt Höhenmeter fressen auf streckenweise schweren Singletrails.


Noch ist es kühl. Der Tag verspricht heißes Wetter. Also die Nacht nutzen und vorwärts.

Atemberaubend ist der Anblick der Stirnlampen im Gelände. Es sieht aus wie eine Prozession von Glühwürmchen.


Irgendwann nach 4 wird es langsam heller. Die Natur wacht auf. Erst war absolute Stille im Wald. nur das klicken der Stöcke hörte man hin und wieder. Jetzt zwitschern die Vögel.


Erreiche die erste Wasserstelle. Tanken ist angesagt. Man braucht viel zu trinken. Ich nutze unterwegs auch die Gebirgsbäche für Nachschub. Die Verpflegungstellen liegen sehr weit auseinander. Zwischen Labe 2 und 3 vergehen fast 4 Stunden. Macht nix, hab ja selbst was mit. Zwischendurch setze ich mich um ca. 6 Uhr mal auf eine Bank und mache Pause. Definitiv notwendig und schön. Endlich mal das Bergpanorama so richtig genießen.


“Das wichtigste beim Laufen sind die Pausen”


Das ist die Weisheit, die ich bei dem Lauf so richtig gelernt habe.

Nicht einfach nur “Vorbeihirschen”. Die Pausen braucht man. Alle die mich in den Pausen überhohlt haben habe ich wieder überhohlt. Die Pausen machen einen nur stärker. Vor allem kann man auch das Umfeld noch genießen.

Ich glaube ich habe während des Runs minimum 90 min. pausiert, sowie viel gegessen und über 15 Liter getrunken.


Um 8 Uhr morgens merkt man, wie stark die Sonne langsam wird. Die Anstiege werden echt steil und die Downhills noch mehr. Im Wald ist zwar Schatten, aber die Hitze steht darin. Es rührt sich kein Lüftchen. Man riecht den Waldboden und die Bäume ganz intensiv. Ameisen gibt es hier, soviel habe ich noch nie irgendwo gesehen. Ein Haufen war fast so hoch wie ich. Kaum bist du auf freiem Feld, dann brennt es einen so richtig nieder. Es war hart. Jede schattenspendende Wolke verschwand, sobald ich auf freies Gelände kam.


Irgendwie war ich zur Hälfte der Strecke etwas erschöpft. Aber nur körperlich. Ich wollte weiter. Aber jeder Ultra hat etwas eigenes. Etwas das man nur dort findet. Man findet echte Kameraden. Leute die gemeinsam “Etwas durchstehen”. Ab dem Aufstieg zum Schneeberg hatte ich mit Rainer einen echten Teamkameraden. Wir waren total auf einer Wellenlänge und haben uns gegenseitig weitergezogen. Rainer hat viel Ultra und Teamerfahrung vom Transalp. Und er lehrte mich auch, “mach Pause”. Also haben wir bei den letzten beiden Bergen immer in der Hälfte des Anstiegs einen “Einkehrschwung” in die Hütten gemacht und uns eine Cola und ein Wasser gekauft. Ohne das wären wir nie durchgekommen. Die Labstellen lagen einfach zu weit auseinander. Ein Liter Pflichtvorrat Wasser war einfach auch zu wenig. Außerdem sind Quellen und Bäche in der 2 Hälfte der Strecke absolute Mangelware. Die Natur kann grausam sein.


Die letzten beiden Anstiege waren es ebenso. 2x 1000Hm der grausamsten Art unter großer Hitze. Ich kann mich eigentlich nur noch auf das Race konzentrieren. Ich will es schaffen. Irgendwann kommt auch der Punkt, wo man sagt, es geht nicht mehr. Aber ich habe mich immer wieder aufgerappelt. Die Oberschenkel brannten, Blasen spürte ich an den Füsen, Wasser gab es oft nur aus kleinen Rinnsalen von Schmelzwasser der letzten Schneereste. Frei nach dem Kollegen Markus Kirschner: Luxus ist was anderes - aber das muß man selbst erlebt haben. Man lernt dann das Leben und die einfachen Dinge wieder schätzen. Ganz ehrlich, mir geht es besser im Kopf als nach 2 wochen Urlaub.  So schnell stresst mich im Moment nichts.


Die letzte Labe war das Stantzerhaus. Nochmal viel essen, trinken und auch einkehren. 15 km liegen noch vor uns. Noch 2 Stunden heißt es bis ins Ziel. Aber eins habe ich im Rennverlauf gelernt. Offizielle Angaben nicht allzu ernst nehmen. Wenn es heißt es ist schlimm, kommt es schlimmer.

Also los, Enspurt. Der Weg zur Schwalbenwand mit dem erlösenden Abstieg ist endlos. Man sieht sie schon von Weitem. Frustrierend. Es geht schön schleimig auf und ab mit harten Anstiegen. Kräftezehrend. Ich merke, es wird für mich grenzwertig. Letztes Gel auf. Hoffentlich bringts was. Eigentlich möchte ich die Gegend genießen. Überall Alpenveilchen und blauer Enzian. Toller Blick zum Zeller See. Da jetzt reinspringen, das wäre es!

Irgendwann ist die Schwalbenwand erreicht. Ich sage Rainer, ich brauche eine Pause. Im Dolinenfeld setzen wir uns ein paar Minuten hin. Über dem Zeller See kommt ein Gewitter auf. Die Kekse aus dem Rucksack als Notvorrat tun echt gut. Kräfte kommen wieder. Sollte für den Abstieg reichen.Der Abstieg ist hart. Die Oberschenkel schmerzen. Aber das Ziel kommt in Sicht. Ich sehe irgendwann den Zielort. Das ist der letzte Motivationsschub, den man braucht. Die letzten Meter sind hart. Im Ort Maria Alm werden wir von den Leuten jubelnd begrüßt. Letzte Schleife und Zieleinlauf. Ich habe mich selten so gefreut im Ziel zu sein. Das war Glück pur. Unbeschreiblich. Sagenhaft. Es gibt was zu trinken und bei der Hitze große Planschbecken für die Läufer zum Abkühlen. Mit voller Montur rein und den Moment genießen.


Natürlich schmerzen die Füße, der Muskelkater schnurrt,


aber der Schmerz geht und der Stolz bleibt!

 


Fazit für den Veranstalter


Die Organisation des Events war toll. Perfekte Organsation beim Event. Labstellen sind gut ausgerüstet. Nur zu wenige  um den Lauf bei den Bedingungen gut überstehen zu können. Wobei als Trailrunner ist man ja gewohnt zu improvisieren. Bäche und Hütten nutzen, dann kommt man auch durch. Es war auch gut, dass ich ein paar Kalorien extra in den Rucksack gemacht habe.

Die Strecke ist hammerhart. Singletrails mit Wurzeln, Steinen , Geröll, also Allem was einem den Rhythmus beim Laufen nimmt, geschweige denn überhaupt nicht gelaufen werden kann. Trail für Trailpuristen der härtesten Sorte. Wer erst einen Straßenmarathon hinter sich hat, wird bei dem Event kümmerlich absaufen. Die 2 UTMB Punkte als Eintstiegshürde waren notwendig

Beschriften der mitgeführten Nahrung mit der Startnummer als Vorschrift war eine top Idee. Wer was wegwirft, wird disqualifiziert. Ich habe kein einziges Gelpäckchen oder ähnliches auf dem Trail gesehen. Nicht wie bei den Marathonevents, wo der Weg mit Müll gepflastert wird. Trail ist Laufen mit der Natur!

Pflichtausrüstung war sehr umfrangreich. Man kann über die Bestandteile und das damit verbundene hohe Gewicht schimpfen, nur im Ernstfall kann man froh sein, dass man es dabei hat. Diese Pflichtausrüstung hätte einem eine Gewitternacht im Hochgebirge überstehen lassen. Und das ist gut so.

Nur Wasser war zu wenig da.

Eine Finishermedaille wäre allerdings die Krönung gewesen!